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Wirtschaftsfaktor Tourismus
Im Rahmen der Fortschreibung der Landestourismuskonzeption Mecklenburg-Vorpommern 2010 durch die dwif-Consulting GmbH und das Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern wurden das Segment erneut analysiert.
Der Tourismus ist als Wirtschaftsfaktor für Mecklenburg-Vorpommern mit einem Bruttoumsatz von über 5,1 Mrd. EUR und einem Anteil von 10 % am Primäreinkommen so wichtig wie in keinem anderen Bundesland. Damit ist er ebenso wie Industrie, Handwerk, Gewerbe und andere Bereiche der Dienstleistungswirtschaft eine wichtige Branche für das Land.
Bruttoumsätze
Im Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern werden 5.126,6 Mio. EUR Bruttoumsatz erwirtschaftet. Im Hinblick auf die Umsatzentstehung nach Marktsegmenten ist festzustellen:
Der gewerbliche Beherbergungsmarkt ist mit 2.435 Mio. EUR und einem Anteil
von 47,5 % das wichtigste Marktsegment für Mecklenburg-Vorpommern.
Häufig noch unterschätzt wird, dass in Mecklenburg-Vorpommern ein Drittel
(1.708,5 Mio. EUR) der Umsätze aus dem Tagestourismus resultieren.
Der Campingsektor trägt mit 387 Mio. EUR als dritt wichtigstes Segment
7,5 % zum Gesamtumsatz bei.
Gegenüber 2004 haben auch die Privatquartiere an Bedeutung gewonnen
und erwirtschaften nunmehr 6,2 % (317 Mio. EUR) des touristischen Bruttoumsatzes des Landes.
Vgl. Grafiken
Das Gesamtvolumen der touristischen Bruttoumsätze ist als Mindestwert anzusehen. Hinzu kommen Bereiche wie Tagesausflüge aus dem Ausland (z. B. Gäste aus Schweden, die für einen Tag zum Shopping nach Rostock kommen) oder Touristen, die auf ihrem eigenen Boot übernachten, jedoch in keiner Statistik erfasst werden. Da für diese Segmente jedoch keine belastbaren Daten vorliegen, ist eine Quantifizierung nicht möglich.

Von besonderem Interesse ist die Aufteilung der Umsätze nach den profitierenden Wirtschaftszweigen Gastgewerbe (Unterkunft, Verpflegung), Einzelhandel (Einkäufe von Lebensmitteln, sonstige Waren) sowie Dienstleistungen (Eintrittspreise, Ausgaben für ÖPNV, Ausflugsschiffe, Kurmittel etc.).
Es zeigt sich:
Mit insgesamt 2.780,0 Mio. EUR (davon entfallen allein rund 2.000 Mio. EUR
auf Übernachtungsreisen) ist das Gastgewerbe der ökonomisch wichtigste
Teil der Tourismuswirtschaft des Landes.
Auch der Einzelhandel profitiert in erheblichem Maße. Bei den Tagestouristen
fließt fast die Hälfte der Ausgaben in den Einzelhandel (866,4 Mio. EUR).
Hinzu kommen 622,5 Mio. EUR aus den Ausgaben der Übernachtungstouristen.
Dies unterstreicht, wie wichtig diese Branche als Partner der Tourismuswirtschaft ist.
Nicht unterschätzt werden darf, dass nahezu alle Dienstleistungsbranchen von
Mecklenburg-Vorpommern in erheblichen Maße von einer stabilen
Tourismusentwicklung profitieren, denn jeder sechste im Tourismus umgesetzte
Euro oder 856,8 Mio. EUR fließen in diese Branchen. Hierzu gehören Kultur- und
Unterhaltungseinrichtungen ebenso wie z. B. Boots- und Kanuverleiher,
Verkehrsbetriebe und das Taxigewerbe, die Ausflugsschifffahrt, Landwirte
mit Direktvermarktung und Ponyreiten, Bauernmärkte und Friseure - kurz alle
diejenigen Branchen und Anbieter, die direkte Geschäfte mit den Touristen an Land machen.
Vgl. Grafiken

Auf die fünf von der amtlichen Statistik des Landes abgegrenzten Reisegebiete verteilen sich die touristischen Bruttoumsätze wie folgt:
Die grundsätzliche Verteilung hat sich im Vergleich zum Jahr 2004 kaum verändert:
73,3 % aller Umsätze entfallen auf die Küstenreisegebiete. Allerdings hat
Vorpommern die Mecklenburgische Ostseeküste als umsatzstärkste
Tourismusregion des Landes abgelöst.
Der Tagestourismus spielt in drei Reisegebieten eine überdurchschnittliche
Rolle beim Bruttoumsatz: in Westmecklenburg (57,1 %),
an der Mecklenburgischen Ostseeküste (41,0 %) sowie in der
Mecklenburgischen Schweiz und Seenplatte (36,7 %).
Vgl. Grafiken
Einkommens- und Beschäftigungseffekte
Im Mittelpunkt der Darstellung des ökonomischen Stellenwertes der Tourismuswirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern steht die Ermittlung der durch den (Brutto-)umsatz entstehenden Einkommens. Aus allen dargestellten Marktsegmenten des Übernachtungs- und Tagestourismus zusammen ergeben sich 5.125,6 Mio. EUR Bruttoumsatz. Dieser Eckwert ist die Basis für die Berechnung der Einkommenseffekte, die sich auf das sog. Primäreinkommen beziehen. Das Primäreinkommen der privaten Haushalte enthält die Einkommen aus Erwerbstätigkeit und Vermögen, die den inländischen privaten Haushalten zugeflossen sind.
Die Berechnung ergibt:
Nach Abzug der Mehrwertsteuer vom Bruttoumsatz ergibt sich ein Nettoumsatz in Höhe von 4.534,4 Mio. EUR.
Mit Hilfe der sog. Wertschöpfungsquoten lassen sich die aus den Nettoumsätzen resultierenden Einkommenseffekte berechnen. Die Wertschöpfung beschreibt jenen Anteil des Nettoumsatzes, der zu Löhnen, Gehältern und Gewinnen, also zu Einkommen wird. Hierbei ist zwischen der 1. und 2. Umsatzstufe zu unterscheiden.
Aus den Ausgaben der Touristen werden im Rahmen der 1. Umsatzstufe 1.604,9 Mio. EUR direkt zu Einkommen.
Der nach Abzug dieses Wertes vom Nettoumsatz verbleibende Betrag von 2.929,5 Mio. EUR wird für den Bezug von Vorleistungen ausgegeben.
Bei den dadurch indirekt profitierenden Unternehmen wird wiederum nur ein Teil zu Einkommen. Diese sog. indirekten Einkommenseffekte belaufen sich auf insg. 878,9 Mio. EUR. Vorleistungen fallen insbesondere für die Zulieferung von Waren, die Bereitstellung von Dienstleistungen und durch Investitionen in die Substanzerhaltung an (Woher die Vorleistungen im Rahmen dieser 2. Umsatzstufe bezogen werden, kann ohne detaillierte Erhebung nicht ermittelt werden.).
Gerade hier entstehen vielfältige Wechselwirkungen zwischen dem Tourismus und fast allen Wirtschaftsbereichen des Landes. So profitieren z. B. das Baugewerbe und Inneneinrichter von Neubauten und Instandhaltungsmaßnahmen, Bäcker, Fleischer und Großhändler von Warenlieferungen an Hotels und Gastronomiebetriebe, Bootsbauer und andere Partner der maritimen Wirtschaft in Forum von Bootsneubauten und -reparaturen, Steuerberater, Banken und Sparkassen durch die finanzwirtschaftliche Betreuung der Branche, aber auch Energieversorger, Wasser-, Abwasser- und Abfallentsorger sowie eine Vielzahl anderer Unternehmen, die dafür Sorge tragen, dass die Tourismusbetriebe ihre Leistungen überhaupt anbieten können. Daher spricht man zu recht vom Tourismus als Megabranche mit Breitenwirkung.

Hohe Einkommenswirkung
Aus dem Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern resultiert insgesamt ein Einkommen von 2.483,8 Mio. EUR. Gemessen am gesamten Primäreinkommen in Mecklenburg-Vorpommern leistet der Tourismus damit einen Beitrag von insg. 10,0 % am Primäreinkommen (ohne Einkommenseffekte aus An- und Abreise der Gäste, ohne Einkommenseffekte durch die Reisebüros, Reiseveranstalter, Incomingagenturen etc. im Land).
Hohe Beschäftigungseffekte
Aus der Division des touristischen Volkseinkommens (1. und 2. Umsatzstufe) mit dem durchschnittlichen Volkseinkommen pro Einwohner lässt sich schließlich ein Äquivalent von rund 173.000 Personen ermitteln, die durch den Tourismus ihren Lebensunterhalt in Form eines Vollzeitarbeitsplatzes bestreiten können. Da gerade im Tourismus die Zahl der sog. mithelfenden Familienangehörigen, der Teilzeit-, Saison- und Nebenerwerbsbeschäftigten besonders groß ist, liegt die tatsächliche Zahl der Bewohner von Mecklenburg-Vorpommern, die zumindest Teile ihres Einkommens aus dem Tourismus erzielen, deutlich höher. Diese Zahl kann aber nicht ganz exakt berechnet werden.
Quelle: dwif 2009

Grafiken
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