Die vor 14 Tagen erhobene Forderung der Schweriner IHK nach einer Konzentration der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik auf die Wachstumskerne in Mecklenburg-Vorpommern wurde durch die Universitäten Rostock und Greifswald bekräftigt.
Dr. Gerald Braun, Professor für Wirtschaftspädagogik in Rostock, präsentierte Strategien zur Stärkung der Wirtschaftskraft des Landes. `Die von Dr. Braun abgelehnte sog. `Wüstenstrategie` entspricht der bisherigen Gießkannenpolitik: Dem weiteren Ausbau materieller Infrastruktur in peripheren Regionen wird nun auch von Seiten der Wissenschaft eine Absage erteilt`, so Klaus-Michael Rothe, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Schwerin. Braun fordert konsequent die Prioritätensetzung auf eine humankapitalorientierte Innovationspolitik, die primär an Städte-Netzwerken ansetzt. Frau Dr. Eich-Born, Dozentin an der Universität Greifswald, vertritt den gleichen Standpunkt: Die Branchen Ernährungswirtschaft und Schiffbau haben einen Großteil der Fördermittel erhalten. Der Anteil der Forschung und Entwicklung in diesen Branchen liegt aber nur bei 0,5 % bzw. 1 % des Umsatzes. Die künftige Förderpolitik müsse daher auf `intelligentere` Unternehmen ausgerichtet werden. Diese würden sektoral ein höheres Wachstum erzeugen.
`Beide Untersuchungen kommen zum gleichen Schluss: Nur durch die Steigerung des sektoralen Wachstums und ein Mehr an Forschung und Entwicklung können zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden. Hierzu ist eine Fokussierung auf die Ober- und Mittelzentren mit ihren Agglomerationsvorteilen erforderlich`, so Rothe weiter. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass nur Regionen mit einem hohen Forschungs- und Entwicklungsanteil Wachstum und Arbeitsplätze erzeugen, wie die Beispiele Irland, Süd- und Mittelschweden zeigen.
Die Forderung der Wirtschaft nach einer Neuausrichtung der Förderpolitik des Landes auf Wachstumskerne hat somit eine weitere Bestätigung erhalten. Zugleich wurde durch die unabhängigen Untersuchungen bekräftigt, dass die sog. Spill-over-Effekte unmittelbar auf die Regionen ausstrahlen. `Gelingt es nicht, Kerne wie z.B. Wismar, Rostock, Greifswald oder Demmin besonders zu stärken, bleiben die bereits jetzt spürbaren Effekte dieser Wachstumskerne für die umliegenden Regionen in Gänze aus. Dieser Prozess ist für die Stabilisierung der Regionen zwingend erforderlich`, so IHK-Hauptgeschäftsführer Rothe.