´Der Wirtschaft Westmecklenburgs ging auf der Wegstrecke vom Frühjahr zum Sommer 2005 viel Schwung verloren. Hauptsächlich Industrieunternehmen bilden jedoch eine Ausnahme von diesem Tempoverlust´, so Jörgen Thiele, Präsident der IHK zu Schwerin.
In ihrer vierteljährlichen Konjunkturerhebung befragte die IHK zu Schwerin 688 Westmecklenburger Unternehmen aus Industrie, Bauhauptgewerbe, Einzelhandel, dem Verkehrs-, Bank- und Kreditgewerbe sowie dem Dienstleistungsgewerbe nach ihren Einschätzungen der gegenwärtigen konjunkturellen Situation und ihren geschäftlichen Erwartungen bis zum Jahresende 2005.
Konjunktur im Schleichgang, aber Industrie verbessert
IHK-Präsident Jörgen Thiele: ´Das Tempo der Westmecklenburger Wirtschaft hat jetzt gegenüber dem Frühjahr nachgelassen. Die Fahrt ist aber doch ein wenig schneller als im letzten Sommer. Die Geschäftslage wird wie bereits seit längerem deutlich von Vorbehalten, Kaufzurückhaltung und Vorsicht der Unternehmen sowie der Konsumenten geprägt. Die weitaus meisten Unternehmen erhoffen sich bzw. warten auf Reformen, die neuen Schwung in die Konjunktur bringen.´
In den Unternehmen steigen die Produktionskosten durch höhere Preise für Energie, Stahl- sowie Materialeinkauf. Dem privaten Konsum wird durch verteuerte Energie und Kraftstoffe mehr Kaufkraft entzogen. Der Wettbewerbsdruck ist sehr stark und die Nachfrage zu schwach, um die höheren Produktionskosten an die Kunden weiter reichen zu können. Die sinkende Tendenz der Preisentwicklung in den Wirtschaftszweigen wird deshalb überwiegend anhalten. Zudem verbessert sich das Zahlungsverhalten kaum.
Diese Fakten drücken auf die Stimmung in den Unternehmen und verhindern einen dynamischeren Konjunkturverlauf. Besonders im Einzelhandel und im Bauhauptgewerbe ist die geschäftliche Situation teilweise sehr bedrückend geworden. Im Gegensatz dazu entwickelt sich die Geschäftslage in der Industrie im Durchschnitt deutlich günstiger. Die Konjunkturdaten ziehen hier überwiegend an. Allerdings erreicht die Geschäftslage in der Industrie noch nicht das gute Resultat vom letzten Sommer.
Optimistische Erwartungen nur bei Industrieunternehmen
Der Pessimismus hat nun noch deutlicher auch die wirtschaftlichen Erwartungen erreicht. Die Prognosen der Westmecklenburger Unternehmen sind daher sehr bescheiden und haben sich vom Frühjahr zum Sommer hin verschlechtert. Nur noch jedes zehnte Unternehmen rechnet mit einer geschäftlichen Verbesserung in diesem Jahr. Mit diesem Resultat sind die Aussichten noch skeptischer als die zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres 2004.
IHK-Präsident Jörgen Thiele hierzu: ´Die weitaus meisten Optimisten sind auch bei den Aussichten im Industriebereich und dort vor allem im Holzgewerbe, bei den Herstellern von Kunststoffwaren, der Oberflächenveredlung und im Nahrungsgewerbe zu finden. Besonders die Exportgeschäfte sollen sich in der 2. Jahreshälfte verbessern. Diese Entwicklung weckt in den Industrieunternehmen - trotz auch vorherrschender Zweifel – in der Mehrheit Zuversicht!´
In allen anderen Wirtschaftsbereichen sind jedoch die Optimisten den Pessimisten unterlegen. Gegenüber dem Vorjahr verbessern folglich nur die Industrieunternehmen ihre Prognosen, alle anderen Wirtschaftszweige bleiben unter ihren Einschätzungen vom Sommer 2004.
Arbeitskosten wettbewerbsfähiger gestalten
´Der Kreislauf aus wegbrechenden Arbeitsplätzen und konstant hoch bleibenden Arbeitslosenzahlen wird noch verschärft durch den beständigen Einwohnerverlust in den Gebietskörperschaften. Vor allem junge Leute suchen sich eine andere Perspektive. Die Alimentierung der Arbeitslosigkeit wird den Arbeitsmarkt nicht in Schwung bringen. Die deutschlandweite schlechte Binnenkonjunktur ist nur der Ausdruck für die Wachstumskrise der Wirtschaft. Das rückläufige Kaufverhalten und die zögerliche Nachfrage spiegeln vor allem den Wettbewerbs- sowie Kostendruck wider, dem die Arbeitsplätze unterliegen. Deshalb ist die Konsumschwäche in der Bundesrepublik nicht überwiegend die Ursache, sondern lediglich die Folge der sinkenden Beschäftigung und damit auch der insgesamt geringeren Einkommen neben dem fehlenden Vertrauen in die zukünftige Entwicklung´, so Thiele.
Die Arbeitskosten müssen deshalb endlich geringer werden. Weitere Reformen zur Senkung insbesondere der zu hohen Lohnzusatzkosten mit dem Ziel, international konkurrenzfähige Arbeitsplätze zu erhalten, sind überfällig und müssen schnell auf den Weg gebracht werden, dies dann aber langfristig berechenbar.
Investitionspläne verflachen wieder
´Der Trend aufwärtsgerichteter Investitionspläne seit dem letzten Herbst geht jetzt im Sommer 2005 zu Ende. Das Investitionsklima verflacht. Das Abwarten und die Vorsicht gewinnen wieder deutlicher die Oberhand, zumal auch die Konjunktur einen Gang zurückgeschaltet hat´, erläutert der IHK-Präsident.
Die Investitionspläne geben sich zwar etwas gefestigter als vor einem Jahr, sind aber ohne klare Konturen. Deutlich besser als alle anderen Wirtschaftszweige, schätzen in der Mehrheit wiederum die Industrieunternehmen ihre Investitionsabsichten ein. Trotzdem hemmen auch hier Planungsunsicherheit, aber auch die noch nicht richtig Fahrt aufgenommene gesamte Auftragslage, das Investitionsgeschehen.
Beschäftigung steckt in der Sackgasse
Das nachlassende konjunkturelle Klima wirkt sich negativ auf die Beschäftigungsabsichten der Unternehmen aus. Genau wie die Investitionspläne fallen auch sie und ihre bisherige positive Tendenz bricht jetzt ab. Zwar sind die Beschäftigungsabsichten insgesamt noch günstiger als vor einem Jahr, aber mit Ausnahme der Industrieunternehmen geben sie keinen Anlass, optimistisch zu sein.
Hansestadt Wismar mit dem günstigsten Geschäftsklima
Der IHK-Geschäftsklimaindikator Westmecklenburgs sinkt im Sommer 2005 auf 83 Punkte von 200 möglichen Punkten (Frühjahr 2005: 88 Punkte). Deutlich über diesem Mittelwert aller Westmecklenburger Gebietskörperschaften steht der Spitzenwert von 106 Punkten der Hansestadt Wismar. Mit diesem Resultat verbessert sich die Hansestadt gegenüber dem Frühjahr und es fallen vor allem die positive Einschätzung der Geschäftslage sowie die gute Prognose auf.
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