Das trübe Geschäftsklima vom Sommer lichtet sich im Frühherbst 2005 ganz behutsam in Westmecklenburg, aber die Konjunktur stärkt sich kaum.
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In ihrer vierteljährlichen Konjunkturerhebung befragte die IHK zu Schwerin jetzt 676 Westmecklenburger Unternehmen aus Industrie, Bauhauptgewerbe, Einzelhandel, dem Verkehrs-, Bank- und Kreditgewerbe sowie dem Dienstleistungsgewerbe nach ihren Einschätzungen der gegenwärtigen konjunkturellen Situation und ihren geschäftlichen Erwartungen für die nächsten Monate.
„Allerdings sind die Einschätzungen zur aktuellen Geschäftslage nur ein wenig günstiger und die der Geschäftserwartungen in den nächsten zwölf Monaten überhaupt nicht besser als im Vorjahr. Die gesamte Konjunktur bewegt sich im Frühherbst 2005 mehr oder weniger nur auf der Stelle wie bereits seit geraumer Zeit“, so Dipl.-Ing. Jörgen Thiele, Präsident der IHK zu Schwerin.
Auftragseingang nur in der Industrie günstiger
IHK-Präsident Jörgen Thiele: „Träger dieser vorsichtig günstigeren Stimmung sind hauptsächlich die Industrieunternehmen, die nicht mehr ganz so pessimistischen Bauunternehmen und der ein wenig durchatmende Einzelhandel sowie insbesondere die unternehmensnahen Dienstleistungsfirmen. Hingegen verschlechtert sich die Entwicklung sehr deutlich im Verkehrsgewerbe.“
Das leicht verbesserte Geschäftsklima kann aber keineswegs als Fingerzeig für ein nun schnelleres Konjunkturtempo gewertet werden. Alle Indikatoren wie beispielsweise der Auftragseingang bzw. Nachfrage, die Auslastung, der Umsatz und die Ertragssituation steigern sich kaum, sondern pendeln nur um den längerfristigen Mittelwert. Denn nach wie vor behaupten sich die Nachfrageprobleme und die hohen Arbeitskostenbelastungen in der Wirtschaft, welche kaum auskömmliche Gewinne in den Wirtschaftszweigen zulassen. Die ungünstige Liquidität vieler Unternehmen wird noch durch die schlechte Zahlungsmoral zusätzlich eingeengt oder führt gar in der letzten Konsequenz zur Insolvenz und dem Verlust der Arbeitsplätze.
Tendenz zu Preiserhöhungen gewachsen
IHK-Präsident Jörgen Thiele hierzu: „Die Kostenspirale, in der die Unternehmen stecken, dreht sich weiter. Es steigen nach wie vor besonders die Energie- und die Stahlpreise. Die Kraftstoffpreise sind in letzter Zeit geradezu explodiert und treffen die gesamte Wirtschaft, aber vor allem Verkehrsunternehmen. Die Folgen davon sind Fahrzeugstillegungen, Arbeitskräfteabbau und Preiserhöhungen. Solche erzwungenen Preiserhöhungen planen für die nächste Zeit aber nicht nur Verkehrsunternehmen, sondern auch der Einzelhandel und das Dienstleistungsgewerbe. In der Industrie und im Bauhauptgewerbe ist diese Tendenz noch nicht so klar ausgeprägt.“
Kaum gemildert hat sich nach Einschätzung der Einzelhandelsunternehmen die akute Kaufunlust. Die enormen Arbeitsplatz- und Zukunftssorgen der Konsumenten mit ihren konjunkturhemmenden Wirkungen sind weiterhin eine große Belastung für die Wirtschaftsentwicklung.
Erwartungen wirtschaftspolitischer Veränderungen gegenüber der neue Bundesregierung hoch
„In der Wirtschaft, aber auch in der Bevölkerung, hat sich deshalb ein enormer Erwartungsdruck gegenüber der neuen Bundesregierung aufgebaut. Die Unternehmen erwarten wirksame Kostenerleichterungen und deutliche Planungssicherheit, um ihre Wettbewerbsfähigkeit weiter zu stärken. Ihren eigenen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit haben sie bereits geleistet. Die Bevölkerung wünscht sich Klarheit über den Weitergang der Reformen“, äußert sich Jörgen Thiele.
Prognose flau - Wirtschaft tritt auf der Stelle
„Die wirtschaftlichen Erwartungen der Unternehmen für die kommenden zwölf Monate sind jetzt gegenüber dem Sommer 2005 zwar ein wenig günstiger geworden, liegen aber keineswegs auf dem Niveau des Vorjahres. Beide Prognosen, sowohl die vom Frühherbst 2004 als auch die aktuelle des Frühherbstes 2005, sind deckungsgleich. Auch die Unterschiede innerhalb der Wirtschaftszweige haben sich in dem zurückliegenden Jahr kaum verschoben. Konjunkturell hat dieses „auf der Stelle treten“ der Wirtschaft kaum Wachstum gebracht“, so Thiele.
Export abgeschwächt
Zugpferde der Konjunktur werden nach Einschätzung der Schweriner IHK in den nächsten zwölf Monaten hauptsächlich Industriebetriebe und unternehmensnahe Dienstleistungsfirmen sein. Hoffnung geht von dem gewachsenen Auftragseingang in der Industrie aus. Inwieweit seine Stetigkeit und Ausstrahlung ausreichen werden – auch bei vermindertem Export – einen konjunkturellen Schub zu organisieren, muss noch offen bleiben.
Investitionsbereitschaft sehr verhalten
Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen bleibt angesichts des ungewissen Konjunkturverlaufes und der abzusehenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zurückhaltend. Aber auch die Finanzierung von Investitionen wird zum Problem, da die Ertragssituation kaum eine höhere Eigenkapitalbildung zulässt und die aufgelaufenen Verbindlichkeiten bedient werden müssen. Deshalb konzentrieren sich die Unternehmen im wesentlichen auf Ersatzanschaffungen und unbedingt notwendige Rationalisierungsinvestitionen.
Beschäftigungspläne unverändert restriktiv
IHK-Präsident Jörgen Thiele wörtlich: „Der Arbeitsmarkt wird sich auch in den kommenden Monaten schwer tun. Eine konjunkturelle Belebung mit einem Nachfrageschub und anspringenden Investitionen ist kaum zu erwarten. Der Investitionsmotor wird weiter gedrosselt laufen. Neue Arbeitsplätze entstehen unter diesen Voraussetzungen nicht. Im Vergleich zum Sommer, aber auch zum Frühherbst 2004, ist in keinem Wirtschaftszweig eine deutliche positive Veränderung der Beschäftigungspläne zu erkennen.“