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27.12.2005 - pm05_p38
Wirtschaftserwartungen 2006

Das parteipolitische Agieren auf Bundes- und Landesebene hat eher zur Unsicherheit bei den notwendigen Entscheidungsprozessen in den Unternehmen im zurückliegenden Jahr 2005 geführt. Zu diesem Ergebnis führte eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin bei rund 800 Unternehmen Westmecklenburgs zur wirtschaftlichen Entwicklung im Jahre 2005 und den Erwartungen für 2006.

Die Wirtschaft blickt auf ein schwieriges Jahr 2005 zurück. Positiv hebt sich nur der Konjunkturverlauf in den Industriebranchen ab. Ansonsten prägen starke Anspannung und breite Unsicherheit die Stimmung bei Unternehmen und Verbrauchern. Die Erwerbslosigkeit verharrte auf hohem Niveau. Das Geschäftsklima hat somit wenig Chancen sich zu verbessern. Gegenüber dem Jahr 2004 brachte das vergangene Jahr daher kaum einen konjunkturellen Gewinn und die wirtschaftliche Entwicklung trat nahezu auf der Stelle. Ein wenig Hoffnung verbreiten die Unternehmenseinschätzungen zu Ende des Jahres 2005.

"Wenn auch noch negativ behaftet, so sind die Einschätzungen zur wirtschaftlichen Situation und den geschäftlichen Erwartungen doch wieder mehr aufwärts gerichtet und bergen die Hoffnung auf einen günstigeren konjunkturellen Verlauf für das Jahr 2006. Träger dieser sich vorsichtig bessernden Stimmung sind hauptsächlich Industrieunternehmen. Weniger tragen dazu die nicht mehr ganz so pessimistischen Bauunternehmen bei. Der ein bisschen durchatmende Einzelhandel sowie die unternehmensnahen Dienstleistungsfirmen stabilisieren sich langsam. Hingegen verschlechtert sich die Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte sehr deutlich im Verkehrsgewerbe. Allerdings kann diese insgesamt etwas entspanntere Geschäftslage keineswegs als Fingerzeig für ein schnelleres Konjunkturtempo gewertet werden.“, so Klaus-Michael Rothe, Hauptgeschäftsführer der Schweriner IHK.

Kaum einer der wichtigsten Konjunkturindikatoren – mit Ausnahme in der Industrie - verbreitert seine Basis. Nach wie vor behaupten sich die Nachfrageprobleme und die hohen Arbeitskostenbelastungen in der Wirtschaft, welche kaum auskömmliche Gewinne in den Wirtschaftszweigen zulassen. Ein Großteil der Gewinne muss von den Unternehmen zum Abbau der aufgelaufenen Verbindlichkeiten eingesetzt werden. Deshalb besteht auch für Investitionen kein allzu großer finanzieller Spielraum. Die Liquidität vieler Unternehmen wird noch durch die äußerst ungünstige Zahlungsmoral eingeengt.

Preissteigerungen, insbesondere für Energie und Stahl, beschleunigen den Kostenanstieg. Die Kraftstoffpreise sind im Jahresverlauf geradezu explodiert und treffen die gesamte Wirtschaft, aber primär Verkehrsunternehmen. Die Folgen für die Unternehmen sind nach Angabe der Schweriner IHK Preiserhöhungen, Fahrzeugstillegungen und Arbeitskräfteabbau. Dem privaten Konsum wird Kaufkraft entzogen. Kaum gemildert hat sich demzufolge die akute Kaufunlust. Die Arbeitsplatz- und Zukunftssorgen der Konsumenten aber auch die Planungsunsicherheit der Unternehmen mit ihren konjunkturhemmenden Wirkungen sind, so die IHK, weiterhin eine große Belastung für die Wirtschaftsentwicklung. Das aus diesen Fakten entstandene Konjunkturklima ist nicht unbedingt wachstumsanregend, sondern verzögert die wirtschaftliche Entwicklung bzw. bringt sie nahezu zum Stillstand.

Der Schweriner IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus-Michael Rothe wörtlich: „Nach unserer Einschätzung befinden sich wirtschaftlichen Erwartungen der Unternehmen für das Jahr 2006 etwa auf dem gleichen Prognoseniveau wie im abgelaufenen Jahr. Sie unterscheiden sich aber in ihrer Richtung. Deuteten die Prognosen für 2005 eine konjunkturelle Verschlechterung an, so ist für 2006 mit  einer möglichen Verbesserung zu rechnen. Die besten Erwartungen hegen dabei Industrieunternehmen. Hoffnung verbreitet der anziehende Auftragseingang aus dem Inland. Demgegenüber schwächte sich allerdings die Nachfrage aus dem Ausland ab. Auch die Unterschiede innerhalb der Wirtschaftszweige haben sich kaum positiv verschoben. Konjunkturell hat dieses „auf der Stelle treten“ der Wirtschaft 2005 kaum Wachstum gebracht. Zugpferde der Konjunktur werden 2006 hauptsächlich Industriebetriebe und unternehmensnahe Dienstleistungsfirmen sein. Hoffnungen bringt der gewachsene Auftragseingang in der Industrie, der aber mehr zu Lasten der Aufträge des Auslandes gehen wird. Dies kann die Exportentwicklung bremsen“, so Rothe.

Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen bleibt nach Angaben der Schweriner IHK angesichts des ungewissen Konjunkturverlaufes und der abzusehenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zurückhaltend. Aber auch die Finanzierung von Investitionen wird zum Problem, da die Ertragssituation kaum eine höhere Eigenkapitalbildung zulässt und die aufgelaufenen Verbindlichkeiten bedient werden müssen. Deshalb konzentrieren sich die Betriebe im wesentlichen auf Ersatzanschaffungen und unbedingt notwendige Rationalisierungsinvestitionen. Der Arbeitsmarkt wird sich auch im Jahr 2006 schwer tun. Eine konjunkturelle Belebung mit einem Nachfrageschub und anspringenden Investitionen ist kaum schnell zu erwarten. Der Investitionsmotor wird weiter gedrosselt laufen. Neue Arbeitsplätze entstehen unter diesen Voraussetzungen kaum. Im Vergleich zu 2005 ist nach Einschätzung der IHK in keinem Wirtschaftszweig für 2006 eine deutliche positive Veränderung der Beschäftigungspläne zu erkennen. Die Personalkapazitäten scheinen noch hoch zu sein, da immerhin über ein Viertel aller Unternehmen für das Jahr 2006 eine weitere Reduzierung plant. Wenn Arbeitskräfte eingestellt werden, dann sind es ausgewiesene Fachkräfte vorwiegend im Industriebereich.

„Die attraktiven Standortbedingungen im Westmecklenburger Raum, insbesondere die Lagegunst, die gute verkehrstechnischen Anbindung und die beispielhaften Zusammenarbeit aller Entscheidungsträger bei der Unterstützung von Investitionen, haben trotz angespannter Lage durchaus Erfolge gezeigt. Diese Faktoren gilt es in Zukunft weiter auszubauen“, so der Hauptgeschäftsführer der Schweriner IHK abschließend.


Kontakt:
HS.-Oec. Andreas Kraus, Abt.: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: (0385) 51 03 - 115
kraus@schwerin.ihk.de

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