Zum Jahresbeginn 2006 nimmt die Konjunktur in Westmecklenburg endlich mehr Fahrt auf. Seit dem Jahr 2001 waren die Einschätzungen zur Geschäftslage und der wirtschaftlichen Aussicht nicht mehr so günstig.
„In der Wirtschaft regt sich Optimismus. Die Weichen sind für das Jahr 2006 in Richtung Wachstum gestellt. Für das Entstehen neuer Arbeitsplätze wird dieser beginnende Auftrieb jedoch noch nicht ausreichen. Der scharfe Wettbewerb und das hohe Kostenniveau machen eine weiterhin steigende Effektivität in den Unternehmen unabdingbar“, so Dipl.-Ing. Jörgen Thiele, Präsident der IHK zu Schwerin.
In ihrer vierteljährlichen Konjunkturerhebung befragte die IHK zu Schwerin jetzt 860 Westmecklenburger Unternehmen aus Industrie, Bauhauptgewerbe, Einzelhandel, dem Verkehrs-, Bank- und Kreditgewerbe sowie dem Dienstleistungsgewerbe nach ihren Einschätzungen der konjunkturellen Situation zum Jahresbeginn 2006 und ihren geschäftlichen Erwartungen für den Jahresverlauf.
Auftragseingang und Nachfrage steigen
IHK-Präsident Jörgen Thiele: „Motor dieser spürbaren Aufwärtsbewegung sind vornehmlich Industrie- und Dienstleistungsunternehmen. Das Inlandsgeschäft kommt besser auf Touren. Exportorientierte Unternehmen profitieren von der recht kräftig bleibenden ausländischen Nachfrage. Allerdings zeigen sich die kaum befriedigende Ertragslage sowie das angespannte Zahlungsverhalten von dieser beginnenden Dynamik relativ unbeeindruckt und sind nur leicht verbessert.“
Preiserhöhungen könnten beginnenden Auftrieb stören
„Zur übermäßigen konjunkturellen Euphorie besteht jedoch wenig Grund, da es der Konjunktur noch an der breiten Substanz mangelt. Die Westmecklenburger Unternehmen beurteilen ihre geschäftliche Situation bisher günstiger als die wirtschaftliche Perspektive. Dieser Fakt zeugt von der noch nicht gefestigten konjunkturellen Zuversicht der Unternehmen“, äußert sich Jörgen Thiele.
Den nötigen wirtschaftlichen Optimismus wirkungsvoller zu stärken, braucht Vertrauen, Planungssicherheit und vor allem eine wirkungsvolle Kostenreduzierung. Sie ist äußerst dringlich, da die erreichte Höhe der Energie-, Kraftstoff- und Rohstoffpreise mittlerweile einen enormen Druck auf die Unternehmen ausübt. Zum Gegensteuern stehen den Unternehmen jedoch lediglich Rationalisierungen sowie Preiserhöhungen zur Verfügung. Preiserhöhungen schwächen aber die Wettbewerbsposition. Eine schnelle Senkung der Lohnzusatzkosten wäre aus Sicht der Unternehmen deshalb eine hilfreiche Maßnahme zur Entspannung und Begrenzung des Kostendruckes.
Geschäftserwartungen für 2006 mit verhaltenem Optimismus
IHK-Präsident Jörgen Thiele hierzu: „Die wirtschaftlichen Aussichten der Unternehmen für dieses Jahr hellen sich auf und sind deutlich besser als in den letzten fünf Jahren. Es spiegelt sich in den Erwartungen die positive Tendenz der Entwicklungen wider, welche die Wirtschaft in der jüngsten Zeit genommen hat. In den Wirtschaftszweigen setzt sich die Konjunktur in Bewegung, allerdings nimmt sie noch nicht alle Unternehmen mit. Dennoch beginnt der gezündete Funke auch behutsam auf die Investitionen überzuspringen und nährt Hoffnungen auf eine sich selbst verstärkende Nachfrage. Ein gutes Signal für die Wirtschaft!“
Kaum deutliche Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt 2006
„Je nach Wettbewerbsposition stellen sich die Unternehmen mit unterschiedlichen Optionen auf das mögliche Wachstum ein. Eine klare Tendenz ist jedoch nicht erkennbar. Auf Grund gegensätzlicher Planungen bleiben die Beschäftigungsabsichten für dieses Jahr zwar dürftig, sind aber trotzdem günstig wie seit 1995 nicht mehr“, so Thiele.
Die besten Arbeitsplatzchancen bestehen nach Angaben der Schweriner IHK in der Industrie sowie im Dienstleistungsgewerbe. Aber selbst wenn alle Planungen auch umgesetzt würden kann sich der Arbeitsmarkt kaum erholen. Der herrschende Wettbewerb schiebt dem einen Riegel vor. Er forciert die Rationalisierung, um die Arbeitsproduktivität zu steigern. Diese Tatsache wird noch längere Zeit eher Beschäftigung kosten, da im Saldo die angestoßenen Investitionen kaum ausreichend neue Arbeitsplätze schaffen werden.
Konjunkturbericht (pdf, 207 KB)
der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin