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06.09.2010 - pm10_p35
Fachkräftekampagne „Durchstarten in MV – Dein Land, deine Chance“

Vor rund einem Jahr fiel der Startschuss für die landesweite Fachkräftekampagne „Durchstarten in MV - Dein Land, deine Chance“, die aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) unterstützt wird. Die gemeinsame Initiative mit den Industrie- und Handelskammern des Landes soll schrittweise ausgebaut und intensiviert werden.


Karriere geht auch zuhause
Jugendliche sind umworben und begehrt und erkennen zunehmend ihre Chancen

"Mit der Fachkräftekampagne haben wir den Nerv der Zeit getroffen, sowohl bei den Jugendlichen als auch bei den Unternehmen“, zog Jürgen Seidel, Minister für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Mecklenburg-Vorpommern, in Schwerin ein erstes Resümee. Auf einem Frühstück mit jungen Frauen und Männern, die vor einer Woche mit ihrer Ausbildung in MV begonnen haben, stellte der Wirtschaftsminister unter anderem eine Informationsbeilage für die Tageszeitungen und die erweiterte Internetseite der Kampagne vor.

Umdenkprozess setzt ein

„Das Interesse an einer beruflichen Perspektive im Land steigt“, sagte Seidel. Das zeigen einerseits mehr als 58.000 Besucher auf der Homepage der Fachkräftekampagne seit dem 12. Oktober 2009. Davon kamen ca. 28.000 aus Mecklenburg-Vorpommern, aber auch 9.200 aus Hamburg, je 4.500 aus Berlin und Hessen und über 3.800 aus Nordrhein-Westfalen. Im Schnitt bleiben die Besucher 5.49 Minuten auf den Seiten. Über 360.000 Mal wurde dabei der Azubi-Atlas, der regionale Ausbildungskapazitäten aufzeigt, angeklickt. Er enthält inzwischen 272 Ausbildungsberufe von 804 Firmen. Rund 1.700 Besucher interessierten sich für die Last-Minute-Ausbildungen, die bis Ende August über die Internetseite angeboten wurden. „Wir hatten gemeinsam hohe Erwartungen. Heute kann ich sagen, dass sich diese auch erfüllt haben. Die Schulaktion läuft erfolgreich, viele Unternehmen haben ihre Ausbildungsangebote in den Azubi-Atlas eingetragen und die Erfolgsgeschichten haben dazu beigetragen, die Attraktivität der Berufsausbildung und die Zukunftschancen in Mecklenburg-Vorpommern bekannter zu machen“, sagte der Präsident der IHK zu Schwerin, Hans Thon. Innerhalb des Jahres wurden im Rahmen der Kampagne 33 Schulen besucht und etwa 1.300 Schüler über Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten im Land informiert.

„Langsam setzt ein Umdenkprozess ein“, konstatierte der Wirtschaftsminister. „Auch die verstärkten Aktivitäten der Unternehmen und Bildungseinrichtungen auf der Suche nach geeigneten Bewerbern sowie die alltägliche Medienpräsenz von Themen der Fachkräftesicherung führen dazu, dass die Jugendlichen ihre persönliche Bedeutung für die Zukunft des Landes stärker wahrnehmen.“ Seidel bezeichnete den Kampf um qualifizierte Köpfe als größte Herausforderung für die nächsten Jahre.

„An der demografischen Situation wird sich nichts ändern. Wir müssen mit den Belegschaften sorgfältig umgehen und alle im Land vorhandenen Potenziale nutzen, beispielsweise durch Gesundheitsmanagement, eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Mitnahme auch der Leistungsschwächeren, zumal sich die wirtschaftlichen Strukturen verbessert haben und der Bedarf steigt.“

Zahlen sprechen für sich

Die Anzahl der Ausbildungsverhältnisse hat sich vom Jahr 2000 mit insgesamt 51.632 Verträgen auf 33.887 im Vorjahr reduziert. Allein die Zahl der jährlich neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge verringerte sich vom Jahr 2000 mit 18.146 auf 11.152 im letzten Jahr (Statistisches Amt MV). Dieses Jahr wird die 10.000er Marke nicht mehr erreicht. Im letzten Ausbildungsjahr gab es erstmals mehr Ausbildungsplätze (12.781) als Bewerber (11.722) mit Ausbildungswunsch. 1998 kamen noch 30.333 Bewerber auf 20.708 Berufsausbildungsstellen (Bundesagentur für Arbeit). „Die Schere wird weiter auseinander gehen“, unterstrich der Minister. Gegenwärtig sind 10.665 Stellen gemeldet (2009: 11.425) bei 9.398 Ausbildungssuchenden (2009: 11.714). Die Zahl der Bewerber ist in diesem Jahr somit nochmals um fast 20 Prozent zurückgegangen.

Der hohe Anteil an 5.110 Altbewerbern (54,4 %), die seit einem Jahr und länger einen Ausbildungsplatz suchen, zeugt davon, dass bei der Vermittlung schwächerer Schulabgänger noch erhebliche Reserven vorhanden sind, die besser genutzt werden müssen. Momentan suchen noch 2.224 Jugendliche einen Ausbildungsplatz bei 2.674 unbesetzten Stellen. Die größte Gruppe (50,9 %) der noch offenen Stellen betrifft die Köche (339), Restaurantfachkräfte (294), Hotelfachleute (223), gefolgt von den Kauffrauen und -männern (86), den Fachverkäufern in Bäckereien (77), Friseuren (56), Verkäufern (51), Elektroniker (51) und Gießereimechaniker (50).

Bei der Bundesagentur für Arbeit waren im Jahr 2004 5.192 Auszubildende aus Mecklenburg-Vorpommern registriert, die ihre Ausbildung außerhalb des Landes absolvieren; 2009 noch 4.043.

Auf zum Karrieresprung

Mit einer Vielzahl an Maßnahmen soll die Fachkräftekampagne zu Beginn des neuen Schuljahres verstärkt in die Öffentlichkeit getragen und auf die hervorragenden beruflichen Perspektiven im Land aufmerksam gemacht werden. „Das neue Plakatmotiv zeigt zwei 14-Jährige aus Schwerin und Rostock, die symbolisch zum Karrieresprung ansetzen. In diesem Alter fangen Jugendliche langsam an, sich über ihre Zukunft Gedanken zu machen“, so Seidel. „In dieser Phase wollen wir den Kontakt suchen und sie für eine spätere ‚Karriere’ zuhause begeistern.“ Die 2009 im Auftrag des Ministeriums durchgeführte Umfrage an Schulen hatte ergeben, dass sich 62 Prozent der Mädchen und Jungen für eine berufliche Ausbildung im Land interessieren. „Es ist legitim, mit den guten Bedingungen vor Ort um unsere Jugend zu kämpfen“, betonte Seidel.

„Es ist wichtig, die Jugendlichen über die vielfältigen Möglichkeiten zu informieren, wie sie bereits während der Berufsausbildung verschiedene Angebote kombinieren können. Ich denke hierbei an die dualen Studiengänge, die durch die Hochschulen des Landes angeboten werden“, erklärte der Präsident der Schweriner IHK.

Der Wirtschaftsminister kündigte verschiedene Wege an, um mit den Jugendlichen in den Dialog zu kommen. „Hauptaugenmerk legen wir nach wie vor aufs Internet“, unterstrich der Minister. Die Internetpräsentation wird um eine Rubrik „Ausbildung der Woche“ erweitert, in der gefragte Berufsbilder vorgestellt werden. Gestartet wird mit der Kauffrau und dem Kaufmann für Tourismus und Freizeit. Durch eine neue Werbeaktion unter den 80.000 IHK-Unternehmen soll die Anzahl der über 800 im Azubi-Atlas vertretenen Firmen und somit das Angebot für die Nutzer deutlich erhöht werden. Laufend werden neue authentische Erfolgsgeschichten und Unternehmensporträts eingestellt. Ab sofort können sich Interessenten auch über einen Newsletter über Neuigkeiten sowie über Lehrstellen und Jobbörsen informieren lassen. Nicht zuletzt wird die Fachkräftekampagne in zwei Wochen Teil des angesagten sozialen Netzwerkes Facebook und auf diesem Weg möglicherweise direkter Gesprächsstoff unter den Community-Mitgliedern.

Darüber hinaus soll die Schulaktion an 9. und 10. Klassen des Landes fortgesetzt werden. In mehreren Zeitschriften und Publikationen wird für die zentrale Anlaufstelle der Kampagne im Internet geworben. Für den 10. September ist beispielsweise eine achtseitige Sonderbeilage in allen Tageszeitungen des Landes zu Inhalten und Zielen der Fachkräfteinitiative geplant. „Die Aktivitäten zielen darauf, die ganze Familie vom Jugendlichen bis zur Oma anzusprechen und zu erreichen“, betonte Seidel. „Unsere Botschaft ist, es lohnt sich, sich zuhause umzuschauen und die Möglichkeiten auch zu nutzen.“

Gleichzeitig appellierte der Wirtschaftsminister an die Unternehmen, die Herausforderung des Fachkräftemangels aktiv anzunehmen und frühzeitig auf die künftigen Azubis zuzugehen. „Der Kampf um den Nachwuchs wird härter werden. Faktoren wie eine fundierte Ausbildung, eine angemessene Entlohnung sowie gute berufliche Startbedingungen werden entscheidend dazu beitragen, junge Leute für sich zu überzeugen“, sagte Seidel.

IHK-Unternehmen in Westmecklenburg beteiligen sich an Nachwuchssicherung

„Die Chancen sind gut, die Unternehmen bereit. Aktuell beteiligen sich 1.316 IHK-Unternehmen in Westmecklenburg an der Nachwuchssicherung, in Mecklenburg-Vorpommern sind es mehr als 5.400. Im Laufe der zwei-, drei- und dreieinhalbjährigen Berufsausbildung stehen viele Möglichkeiten zur Verfügung, nicht nur den Beruf, sondern auch eine Reihe an Zusatzqualifikationen zu erwerben. Diese Fertigkeiten erleichtern es, nach der Berufsausbildung eine anschließende Weiterbeschäftigung im Betrieb zu finden“, so Hans Thon abschließend.


  www.durchstarten-in-mv.de


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Kontakt:
Peter Todt, Abt.: Aus- und Weiterbildung
Tel.: (0385) 51 03 - 401
todt@schwerin.ihk.de

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